Ich mag die meisten Trailer nicht. 

Sie sollen Lust auf den Film machen, verraten aber schon alles. 

Warum sollte ich den Film dann noch sehen?

 

Die besten Trailer lassen nur erahnen um was es geht, erzeugen eine Stimmung, eine Neugier. 

 

Lust eben. 

 

Ich versuche dir Lust zu machen auf "Lust auf unserer Haut" von Reneé Beaulieu.

Original Titel: Les Salopes ou le Sucre Naturel de la Peau

 

Der Film greift viele aktuelle Debatten über weibliche Lust, Sexualität, Lebensmodelle und Machtpositionen auf. Es ist kein überreizter Hollywoodfilm mit überdrehtem Happy End. Der Film ist etwas kühl, aber realistisch, zumindest viel davon. Die Erzählweise ist langsam. Musik spielt nur bei sexuellen Szenen. 

Marie-Claire, gespielt von Brigitte Poupart, ist Dermatologie-Professorin. Sie ist verheiratet. Sie und ihr Mann haben zwei Kinder. Eine ihrer angehenden Doktoratinnen schlägt ihr Dissertationsthema vor. Sie möchte den Zusammenhang zwischen Haut und der menschlichen Sexualität erforschen. Macht es einen Unterschied, wodurch die Hautzellen stimuliert werden? Lust oder Liebe? 

Marie-Claire wagt neben ihrer Forschungsarbeit ein Selbstexperiment. Sie schläft mit anderen Männern und untersucht ihre Hautzellen. Es ist eine Mischung aus klinischen und sinnlichen Elementen.
Sie und ihr Mann haben eine "DADT"-Regel (Don't ask, dont't tell) in ihrer Beziehung. Das bedeutet, dass sie mit anderen Menschen Sex habe können, es einander aber nicht erzählen und auch nicht nachfragen. Doch als Marie-Claire ihrem Mann eröffnet, dass sie mit anderen Männern geschlafen hat, artet das Gespräch zu einem großen Beziehungsstreit aus. Die Abmachung war wohl doch nicht so klar, wie gedacht. Auf beiden Seiten. 

Der Film versucht Rollenbilder, Ideale, Sehnsüchte und Wünsche der Weiblichkeit zu inszenieren. 
Wie vereinbar sind sie und wann stehen sie im Konflikt miteinander? 

Die Ehefrau, die Mutter, die erfolgreiche Akademikerin, die Liebhaberin, die beste Freundin, die Tochter, . . .

 

Frauen wachsen mit vielen Idealvorstellungen auf, wie sie sein sollen. 

Wo verortet man sich? Wo will man sein?
Muss man auf eines verzichten, um das andere zu erfüllen?

Marie-Claire versucht den Spagat zwischen den Seiten ihrer Selbst. Doch auch andere weibliche Charaktere im Film verkörpern Teile dieses Zwiespalts. Marie-Claires Freundin Mathilde ist Anfang 40, hängt an ihrem Ex, wollte nie Kinder. Doch jetzt fühlt sie sich alleine, will unbedingt eine Familie. Es ist unklar, ist es nun wirklich ihr Wunsch oder beugt sie sich der Idee, was eine Frau im Leben wollen soll. Marie-Claires Tochter Katou beichtet ihrer Mutter über erste sexuelle Erfahrungen, die begannen als sie 11 war. Es zieht einem den Magen ein wenig zusammen. Ab wann ist man bereit für sexuelle Erfahrungen? Ist sie zu jung? Man erkennt das Hin-und Hergerissen sein davon, die eigene Selbstbestimmung zu leben und Angst und Sorge um die Sexualität der eigenen Tochter in Marie-Claire.

Marie-Claire ist Professorin, lehr und forscht an der Uni.  Lust, Anziehung, Verführen, Grenzen . . . an der Universität.

Darf man mit Studierenden schlafen?

Ich fand es besonders interessant, da ich selbst Studentin bin und mich schon oft gefragt habe, passieren Affären und Beziehungen an meiner Uni zwischen Studierenden und Lehrenden? Und wie sind diese zu bewerten? Gibt es einen Weg Machtungleichgewicht zu beleuchten, ernst zu nehmen, aber es nicht auszunutzen?

Gibt es einen Altersunterschied der problematisch ist? Und wo würde der anfangen?

Wie können wir achtsam mit diesen Themen sein? Mit diesen Geschichten?
Wann müssen sie politisiert werden? 

Ich möchte nicht zu viel verraten! 

Der Film ist sinnlich und politisch. 

Auf interessante Weise direkt. Gleichzeitig werden viele Dinge nur subtil angedeutet. Nicht alles ist immer klar. Gefühle, Sehnsüchte, moralische Haltungen verschwimmen. Der Film wird kühl und teilweise etwas steril gehalten, was gut zur Dermatologie passt. Sex auf einer kalten, Metallliege im Labor. . . Ich konnte mir vorstellen, wie kalt sich das anfühlt, während ich in meinem warmen Bett liege und den Film schaue. . . 

 

Lust auf unserer Haut. 

Hast du jetzt Lust auf den Film bekommen?

Ich habe 3 DVDs zu verlosen. Am Ende des Artikels erkläre, wie du bei der Verlosung mit machen kannst. Doch zuerst, möchte ich noch die Regisseurin und Drehbuchautorin Renée Beaulieu zu Wort kommen lassen. 

 

Ich wollte die Sexszenen so realistisch wie möglich zeigen. Um das zu erreichen, mussten meine Schauspieler*innen und ich unsere eigenen Hemmungen verlieren. Da gab es durchaus Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob ich zu viel von meinen Schauspieler*innen verlange!



Liebe Renée, danke, dass du dir Zeit nimmst meine Fragen zu beantworten. 
Wie bist du auf die Idee des Films gekommen?

Als ich angefangen habe mit dem Drehbuch, habe ich noch an meiner Doktorarbeit geschrieben mit dem Thema „gender relations in Quebec’s popular cinema“. Frauen sind in Filmen unterrepräsentiert. Und wenn sie auf der Leinwand gezeigt werden, wird sich auf ihre Körperlichkeit bezogen. Meistens sind sie jung, attraktiv und haben keine Kinder. 

Ich wollte einen Film machen, der das Gegenteil zeigt: Eine selbstbewusste Frau, die ihre Sexualität auslebt für sich selbst, anstatt (nur) für einen Mann. Der Film sollte auf Frauen(rollen) fokussieren. Allerdings sollten die Männer nicht objektiviert werden, wie es normalerweise bei Frauen der Fall ist. 

Du hast deinen Job als Pharmazeutin aufgegeben und bist zurück zum Film gegangen. Die Filmwelt ist hart, besonders für Frauen. Man sagt uns sei nett, leise, nicke, lächle, mache es anderen Recht. Pushe die eigenen Ideen nicht zu sehr. Natürlich ist auch das ein Stereotyp, aber es ist nun mal eines der weiblichen Narrative in unserer Gesellschaft. 

Was hilft dir selbstbewusst zu bleiben mit deinen Ideen und deiner Arbeit?

Meine Arroganz. Ich unterstütze nicht, wenn Männer glauben sie und ihre Ideen seien besser, nur weil sie Männer sind. Ich bin intelligent. Und ich habe schon viele Männer getroffen, die es nicht sind. Wie könnte ich mich selbst in Zweifel ziehen?
Ein Freund hat mir einen guten Rat gegeben, der auf viele Lebensbereiche anwendbar ist: Spring und du findest heraus wie du landest. Ja, es ist hart als Frau in der Filmbranche. Es ist eine Männerdomaine. Ich denke, wie sollten tun und uns nehmen, was wir wollen und nicht warten bis man uns fragt. 

Wie wurde der Film vom Publikum angenommen? 
Der Film wurde besser angenommen als ich erwartet hatte. Viele Frauen waren froh so gezeigt zu werden, wie sie sich fühlen und selbst sehen. Aber auch viele Männer haben sehr offen reagiert.

Wenn du aussuchen könntest, was die Leute aus deinem Film mitnehmen, was wäre es?
Ich wünsche mir, dass die Menschen über die Werte unserer modernen Gesellschaft nachdenken, vor allem im Bezug auf Beziehung und Sexualität.  

Hast du für die Produktion des Films mit Dermatolog*innen zusammengearbeitet?
Ich habe viel recherchiert. Aber das Experiment aus dem Film ist erfunden.  Wir wüssten bestimmt alle gern die Antwort, ob es für unsere Haut  einen Unterschied macht ob Liebe oder Sex im Spiel sind. Ich glaube an meine erfundene Antwort aus dem Film: Liebe und Sex hängen nicht zusammen. 

 
Mit dem Thema Sexualität zu arbeiten, bringt auch Gelegenheit sich mit der eigenen Sexualität, der Beziehung zum eigenen Körper, Lust, Scham, Wünschen und Ängsten auseinanderzusetzten. Wie war das für dich und die Hauptdarsteller*innen?

Die größte Herausforderung war mit Sicherheit die Sexszenen zu drehen! Sexualität zu filmen heißt auch einen Teil meiner Intimität zu zeigen. Etwas Intimes zu präsentieren, was dadurch nicht mehr intim ist. Während der Produktion musste ich eigene Hemmungen verlieren. Auf eine Art sind wir uns alle am Set intim begegnet. Wir mussten uns offen mit einander zeigen. Es war eine sehr herausfordernde Erfahrung, die es verlangt, dass ich über mich selbst hinauswachse. Es war berauschend.

Vielen Dank für das Interview und deinen Film!

 


Lust auf unserer Haut kann auf prime video gestreamt werden und ist auf DVD und Blu-ray erhältlich. 

Willst du eine von 3 DVDs geschenkt bekommen?
Mach bei der Verlosung mit. 

Trage dich in den Glücksletter ein (falls du noch nicht dabei bist).
Kommentiere unter dem Artikel oder schreibe mir eine Email an mail@cusilife.de

Am 1. März erhalten die Gewinner*innen eine Nachricht von mir und ich schicke euch anschließend die DVDs zu. 

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